Der Gardasee ist der größte der oberitalienischen Seen und auch der beliebteste. Die Mischung aus türkisfarbenem Wasser, Dolce Vita und Alpenfeeling ist wunderschön. Wir verbrachten einen Teil unserer Elternzeit auf einem Campingplatz in Peschiera del Garda im Süden des Sees.
Auch bei unserem Zweitgeborenen entschieden wir uns in der Elternzeit für mehrere Reisen durch Europa. Dieses Mal standen die Ziele ganz im Zeichen von „Freunde”, denn seit Jahren schon schoben wir immer wieder einige Besuche auf. Jetzt reicht’s, dachten wir uns. Nach dem Wiedersehen mit einer befreundeten Familie in Oberbayern (den Beitrag zu unserem Zwischenstopp im bayrischen Wielenbach findet ihr hier), fuhren wir an den Gardasee. In Peschiera del Garda trafen wir uns mit einer Freundin, die zu der Zeit gerade als Reiseleiterin in Verona tätig war. Und schließlich besuchten wir auf der Rücktour endlich einmal unsere lieben Freunde bei München, die wir so lange Zeit nicht gesehen hatten.
Der Gardasee zieht vor allem viele deutsche Touristen im Sommer an. Die räumliche Nähe von Bayern und Baden-Württemberg mag hierbei eine große Rolle spielen. In den 90er Jahren war ich schon einmal dort, in Bardolino. Eine Zeit, in der der Overtourism noch nicht so weit fortgeschritten war, man spontan Unterkünfte vor Ort fand und mit überschaubar vielen Menschen an der Uferpromenade flanierte.

Gut zu wissen
Der Gardasee ist mit einer Fläche von 370 Quadratkilometern der größte See Italiens und wurde nach dem Ort Garda am Ostufer benannt. Er liegt zwischen den Alpen im Norden und der Po-Ebene im Süden des Landes. Drei italienische Provinzen teilen sich den See. Reisende können sich auf ein Seeufer von insgesamt 150 Kilometer Länge und viele zauberhafte Orte freuen. Das Westufer beeindruckt mit Weinbergen, Zitronenbäumen und einer üppigen Blütenpracht. Zu den schönsten Orten gehören Riva, Limone, Lazise, Bardolino, Sirmione und Peschiera.
Der Lago di Garda zählt zu den vielfältigsten Urlaubszielen Europas, denn hier locken Strand und Berge gleichermaßen sowie zahlreiche Outdoormöglichkeiten.

Wie kommt man hin?
Von NRW bis zur Südspitze des Gardasees sind an die 930 Kilometer zu fahren. Splitten könnt ihr die Strecke mit einem Stopover beispielsweise in Freiburg, im Elsass oder in der Schweiz. Die Bayern fahren bedeutend kürzer und brauchen von München bis Lazise nur an die 400 Kilometer.
Die Deutsche Bahn fährt nach Rovereto im Norden und Verona im Süden. Von München in 4.45 Stunden bis Rovereto. Von Verona könnt ihr mit dem Regionalzug weiter nach Peschiera oder Desenzano fahren. Vom Bahnhof Rovereto geht es mit dem Bus etwa 45 Minuten nach Torbole, Riva oder Arco. Die Busfahrpläne findet ihr hier.
Die nächst gelegenen Flughäfen sind Verona, Bergamo, Mailand oder Venedig.
Der Campingplatz Campeggio del Garda
Der Ort Peschiera del Garda im Süden des Sees ist bei Familien außerordentlich beliebt, denn es gibt eine Vielzahl von kinderfreundlichen Campingplätzen. Auf Empfehlung unserer befreundeten Reiseleiterin buchten wir ein Mobil-Home auf dem Campingplatz Campeggio del Garda. Dies war das erste Mal für uns auf einem Campingplatz mit den Kindern und das erste Mal in einem Mobil-Home.

Der Campingplatz Campeggio del Garda liegt mitten in der Natur direkt am Seeufer. Peschiera ist durch einen kurzen Fußweg erreichbar. Es gibt Mobilheime, Bungalows und Stellplätze, dazu eine schöne Poollandschaft und Spielplätze. Täglich findet Animation statt. Das Restaurant bietet Pizza und Pasta, in Sichtweite ist ein Spielplatz für die Kids. Ein richtiger Familien-Campingplatz.
Wir hatten ein Mobilheim im Container-Look. Nichts Besonderes, eher Standard. Gegenüber von uns logierte eine niederländische Familie, die ein erstaunliches Equipment an aufblasbarem Plastik-Fun-Spielzeug aus ihrem Kombi hervorholte und vor ihrem Mobilheim aufbaute.
Eine befreundete Mami meinte vor unserer Reise „Uhhhh, Gardasee im Sommer? Da sind nur Deutsche und Holländer!”. Zumindest auf Peschiera und unseren Campingplatz traf dies zu. Wir hatten tatsächlich kaum Urlauber aus anderen Ländern um uns herum, geschweige denn Italiener. Das führte dazu, dass man am Pool ausschließlich deutsche und niederländische Partylieder hörte. Naja, werden jetzt einige von euch sagen, wenn ihr so einen Platz mit Animation bucht, müsst ihr damit rechnen. Aber wir haben mittlerweile so viele andere nette Campingplätze kennengelernt. Das war hier in Peschiera etwas, sagen wir mal, speziell.
Mittags kam das Animations-Team mit viel Tamtam und einer riesigen Box an den Pool, aus der sogleich „Flieger” oder „Wie doet de was?” schmetterte. Die Kinder und Eltern machten alle freudig im Wasser mit. Unser Großer fand das voll witzig. Letztlich geht es ja auch genau darum: dass die Kids Spaß haben. Allerdings wollte ein Bella-Italia-Feeling in dieser Atmosphäre nicht so wirklich aufkommen. Im Nachhinein würde ich daher eher einen anderen Ort wählen, beispielsweise Lazise, ein Tipp unserer Freunde aus München, und in der Nebensaison reisen.
Dazu kam, dass es in dem Jahr echt heiß war und unser Baby noch nicht so richtig lange planschen wollte. Und laufen konnte er auch noch nicht. Einen Abend trafen wir uns mit unserer Freundin, der Reiseleiterin, das war echt schön. Insgesamt war der Campingplatz in Ordnung. Rückblickend und vor allem vergleichend mit anderen von uns besuchten Plätzen würden wir ihn allerdings nicht mehr wählen.
Mein Tipp: Der nahe gelegene Supermarkt Supermercato Orvea (Via Venezia, 86, 37019 Peschiera del Garda) hat eine große Theke mit herrlich leckeren und frischen Antipasti. Wir haben uns hier gerne eingedeckt und auf unserer Terrasse gegessen.

- Camping Campeggio del Garda, Lungolago Giuseppe Garibaldi, 14, 37019 Peschiera del Garda
- Es gibt Mobilheime, Bungalows und Stellplätze.
- Ein Mobilheim kostet im August für eine Familie ab ca. 1.200 EUR, ein Stellplatz ab 570 EUR.
Ausflug nach Peschiera del Garda
Das Zentrum von Peschiera del Garda liegt ungefähr ein bis zwei Kilometer von dem Campingplatz entfernt. Ihr könnt auf dem Weg dorthin herrlich am Seeufer flanieren. Ein hübsches, kleines Städtchen erwartet euch hier, mit einer imposanten Festung, vielen Blumen und einer lebhaften Fußgängerzone. Wenn wir auf dem Campingplatz Bella Italia und Dolce Vita Vibes vermisst haben – hier haben wir sie gefunden.
Die Altstadt ist komplett von Kanälen umflossen, immer wieder schweift der Blick auf das türkisfarbene Wasser des Lago di Garda. Wir holten uns ein leckeres italienisches gelato, schlenderten durch die Gässchen und die vielen netten Boutiquen, ich kaufte mir ein hübsches Kleid, die Jungs vergnügten sich an den Wasserfontänen. Ein schöner Ausflug, wenn es auch sehr heiß war.
Der Ort ist auch Knotenpunkt für Bahnreisende, denn nur Peschiera und Desenzano haben einen Bahnhof.
Touri-Hotspot Sirmione
Die 8.200-Einwohner-Gemeinde Sirmione liegt am Südufer des Gardasees auf einer vier Kilometer langen Halbinsel. Schon der römische Dichter Catull hat in seinen Schriften von der Festung geschwärmt. Berühmt ist der Ort für die prächtige Scaligerburg und für die Villa von Maria Callas, welche hier einst lebte.
Durch das Tor geht es in die wunderschöne Fußgängerzone vorbei an edlen Restaurants und Modeläden. Auf der Piazza Carducci am Hafenbecken ist jeder Stuhl in den Cafés besetzt. Der touristische Hotspot, das mittelalterliche Castello Scaligero aus dem 14. Jahrhundert, ist durch das Hafenbecken und eine Mauer vom Festland getrennt. Mit Zinnen, Türmen und Wehrgängen hat die Burg etwas Märchenhaftes. Sehenswert sind außerdem die Grotten des Catull und die Kirche Santa Maria Maggiore.
Wir waren früh morgens mit unseren Jungs in Sirmione (auch wegen der Hitze) und trotzdem war es schon so voll! Mit Baby und Kleinkind macht es nicht wirklich Spaß, sich durch solche Menschenmassen zu schieben. Daher haben wir uns mit einem (teuren!) Eis begnügt und uns schnell auf die weniger besuchte Rückseite der Festung verzogen. In der Burg selbst waren wir nicht.
Sirmione ist seit jeher einer der touristischen Hotspots am Gardasee und mittlerweile hoffnungslos überlaufen. Es kommt zu übervollen Straßen, Staus und etlichen Problemen für die Einheimischen. Tausende von Touristen strömen in die Altstadt, das kleine Städtchen steht jedes Jahr im Sommer vor dem Kollaps. Das Rathaus diskutiert mittlerweile über Schranken und Eintrittspreise.
Hier gilt wie fast überall an den touristischen Hotspots: Kommt in der Nebensaison und nicht an den Wochenenden!
Außer den beiden Ausflügen nach Peschiera und Sirmione haben wir nicht viel in der Woche unternommen. Dafür war es auch einfach zu heiß und zu voll. Wir gingen gerne am frühen Abend am Seeufer spazieren, am Vormittag planschte ich mit unserem Großen bei der Animations-Pool-Party, während der Papa mit unserem Baby im klimatisierten Mobilheim spielte.
In der Nähe des Campingplatzes sind das Gardaland (Freizeitpark), das Movieland (Kinothemenpark) und der Parco Natura Viva (Safaripark und Zoo). Alle drei haben wir mit unserem Baby allerdings nicht besucht.
Unser Fazit: Der Gardasee ist traumhaft schön, die Mischung von Dolce Vita, türkisfarbenem Badesee und alpiner Welt spannend für einen Familienurlaub. Das nächste Mal würden wir allerdings einen weniger trubeligen Ort wählen, vielleicht in den Höhen gelegen, weg vom Ufer, und in der Nebensaison fahren.
Mein Lese-Tipp
Da wir zu dieser Zeit viele Touren in Oberitalien und im Besonderen zu den italienischen Seen gemacht haben, möchte ich euch den umfangreichen Reiseführer
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